
Eva und Katharina Wagner treten Nachfolge an
Bayreuth - Die Bayreuther Festspiele gehen mit einem Frauen-Duo in eine neue Zukunft: Die Halbschwestern Katharina Wagner (30) und Eva Wagner-Pasquier (63) sollen künftig das bedeutendste Opernfestival der Welt leiten und damit die Nachfolge ihres 89-jährigen Vaters Wolfgang Wagner antreten.
Das hat am Montag der Stiftungsrat der Richard-Wagner-Festspiele mit einer überwältigenden Mehrheit von 22 Stimmen bei zwei Enthaltungen entschieden, wie dessen Vorsitzender Toni Schmid mitteilte. Der Dirigent Christian Thielemann soll musikalischer Berater des Führungsduos sein.
Die Halbschwestern treten als Festspielleiterinnen in die Fußstapfen von Richard, Cosima, Siegfried, Winifred, Wieland und Wolfgang Wagner. Dieser leitete die Festspiele über ein halbes Jahrhundert - bis zum frühen Tod seines Bruders 1966 gemeinsam mit Wieland Wagner.
Die Wahl wurde überwiegend positiv aufgenommen, Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sprach von einer in die Zukunft weisenden «tragfähigen Lösung», Bayerns Kunstminister Thomas Goppel (CSU) von einer «wichtigen Weichenstellung» für die Festspiele. Die Mitbewerberin Nike Wagner (63), Tochter des 1966 gestorbenen Festspielleiters Wieland Wagner, die zusammen mit dem Kulturmanager und Intendanten Gérard Mortier (64) angetreten war, ist traurig und sprach von einer «befremdlichen Prozedur», wünschte ihren Cousinen aber «viel Erfolg». Der Familienstamm Wieland Wagners wollte sich nach Angaben des Wieland-Sohnes und Bruders von Nike, Wolf Siegfried Wagner, nicht an der Abstimmung beteiligen.
Die Gesellschafter der Bayreuther Festspiele wollten noch am Montag über den Vertrag entscheiden. «Wir machen nicht nochmal den Fehler, Verträge auf Lebenszeit auszugeben», sagte der Bayreuther Oberbürgermeister Michael Hohl (CSU) unter Anspielung auf den Vertrag auf Lebenszeit für Wolfgang Wagner. «Lebenslänglich wäre für mich wirklich ein Alptraum», meinte dazu Katharina Wagner. Vermutlich wird es eine zehnjährige Laufzeit geben.
Eva und Katharina Wagner kündigten eine Zusammenarbeit «ohne Vorurteile» an und wollen die «Einmaligkeit Bayreuths» erhalten. Über ihre genaue Aufgabenverteilung an der Spitze der Festspiele müsse man im Detail noch reden, sagten die beiden Töchter Wolfgang Wagners aus zwei Ehen nach der Entscheidung des Stiftungsrates in Bayreuth. Katharina werde vor allem auch für die Öffentlichkeitsarbeit und Außenwirkung der Festspiele verantwortlich sein, sagte Eva Wagner- Pasquier. Sie selbst wolle sich vornehmlich um Besetzungsfragen kümmern. «Ich werde aber nicht inszenieren.» Hausdirigent Christian Thielemann werde sie in Orchesterfragen beraten.
Eva und Katharina Wagner wollen den legendären «Bayreuther Geist» neu beleben, die künstlerische Qualität der Festspiele steigern und ihre mediale Vermittlung und Vermarktung modernisieren. «Was im Bayreuther Festspielhaus zu hören und zu sehen ist, soll Inbegriff und Maßstab für die musikalische und szenische Deutung von Richard Wagners Musikdramen sein.» Die Halbschwestern wollen in Bayreuth weiterhin nur Wagner-Opern spielen, der Kanon der aufgeführten Hauptwerke vom «Holländer» bis «Parsifal» soll beibehalten werden, allenfalls Aufführungen des «Rienzi» seien «überlegenswert», den auch schon Cosima Wagner aufführen ließ.
Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner wollen alle dramaturgischen und inhaltlichen Entscheidungen über Spielplan, Dispositionen, Konzeptionen, Dirigenten, Regisseure und Ausstatter gemeinschaftlich treffen. Die 30-jährige Katharina soll für ein modernes Wagner-Bild stehen und vor allem auch ein jüngeres Publikum für Wagner begeistern. Die 63-jährige Eva, bisher Festivalleiterin im südfranzösischen Aix-en-Provence, soll für musikalische Qualität, Planungssicherheit und einen «verantwortlichen Umgang mit den finanziellen Ressourcen» sowie eine verstärkte Einbindung Bayreuths in die weltweite Opernszene sorgen.
Gleichzeitig mit der Neuwahl sind die bisher von Wolfgang Wagner gehaltenen Gesellschafteranteile der Bayreuther Festspiele GmbH zu gleichen Teilen an den Bund, den Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth und einen privaten Förderkreis übergegangen, die im Stiftungsrat vertreten sind. Eigentümerin des Festspielhauses ist die 1973 errichtete Richard-Wagner-Stiftung.
Der am vergangenen Samstag 89 Jahre alt gewordene und gesundheitlich angeschlagene Wolfgang Wagner war mit dem Ende der diesjährigen Bayreuther Festspiele Ende August nach 57 Jahren zurückgetreten. Er hatte die 1876 begründeten Festspiele, die auch als «Mutter aller Festspiele der Neuzeit» bezeichnet werden, bis 1966 gemeinsam mit seinem Bruder Wieland geleitet. Noch 2001 hatte er auf seinen lebenslangen Vertrag gepocht und damit die vom Stiftungsrat beschlossene Ernennung seiner Tochter Eva aus erster Ehe zu seiner Nachfolgerin verhindert. Damals wollte er seine inzwischen verstorbene zweite Frau Gudrun als «Statthalterin» für die damals noch sehr junge gemeinsame Tochter Katharina durchsetzen.

