
The Mars Volta: Zähmung der Widerspenstigen?
Hamburg Seit 18 Jahren machen Cedric Bixler Zavala und Omar Rodriguez Lopez zusammen Musik, sei es als The Mars Volta, früher mit At the Drive In oder in zahlreichen Solo- und Nebenprojekten.
Ganz besonders bei Band-Gitarrist Omar Rodriguez Lopez, der Soloplatten raushaut, als gäbe es kein Morgen, scheint das kreative Output unerschöpflich. Sind seine Solowerke für den Normalsterblichen eigentlich unhörbar, hat die Musik von The Mars Volta trotz und auch gerade wegen Rodriguez´ epischen Gitarrensoli eine große Fangemeinde weltweit nicht zuletzt wegen ihrer legendären und sehr lauten Live-Auftritte (am 29.06.2009 spielen die Marsianer im Düsseldorfer Stahlwerk).
So erwartet man auch auf dem in typischer TMV-Manier kryptisch betiteltem «Octahedron» ultralange Exzesse des Gitarristen, die zu TMV gehören wie Butter bei die Fische. Erstaunlichweise gibt es nur ein Lied auf «Octahedron» welches länger als 8 Minuten ist. Haben die texanischen Marsianer - statt ihre sonst opulenten Klang-Portionen aufzutischen - ihre Songs schon ohrgerecht zurechtgeschnitten?
Auch wenn sprichwörtlich in der Kürze die Würze liegt, hat Omar Rodriguez Lopez es sich dennoch nicht nehmen lassen, statt eines langen Gitarrensolo lieber gleich ein ganzes Dutzend mit einzubauen. Vieles ist auf «Octahedron» anders, aber nicht alles.
Gleich bleiben z. B. die mysteriösen, aber dennoch sinnfrei scheinenden Lyrics von Bixler Zavala, in denen Begriffe wie Palyndrom, Ringelwurm und Necrophiliac vorkommen. Haben sich TMV auf Vorgängeralben einem inhaltlichen Thema gewidmet, wie dem Tod eines Freundes («Frances The Mute») oder den schwarzmagischen Fähigkeiten eines Ouija-Bretts («The Bedlam In Goliath»), ist «Octahedron» in einer anderen Weise stringent.
Die Ansammlung von Songs ist hier in der Mehrzahl wesentlich ruhiger als auf vorherigen Alben, «Octahedron» ist schon fast gefällig und «fast hörbar». Was ist passiert? Gerade das überladen Laute, die Verzerrungen und zigfach überlagerten technischen Frickeleien sind doch eigentlich das, was man von einem typischen TMV-Album erwartet und will. Laut wird es auf «Octahedron» zwischendurch schon, wie auf «Teflon» und «Cotopaxi», welche aber mehr durch primär starkes Spiel als durch nachträgliches Drehen an den Verfremdungsreglern nach vorne losgehen.
Man könnte «Octahedron» schon fast als die «Unplugged»-Version von TMV sehen, aber natürlich ist es trotzdem meilenweit davon entfernt, ein akustisches Album zu sein. Dennoch gibt die Reduzierung und auch Langsamkeit den Blick auf das songschreiberische Können der beiden Texaner frei, welches besonders bei der Eingangsballade «Since We´ve Been Wrong» und dem atmosphärischem «With Twilight As My Guide» offenbar wird.
Reduzierung gab es diese Mal auch beim Line-up: So schrumpfte TMV von acht auf sechs Köpfe, als Gastmusiker mit dabei ist aber auch diesmal wieder John Frusciante von den Red Hot Chili Peppers. Mit «Octahedron» haben sich The Mars Volta mal wieder von einer neuen Seite präsentiert: Songwriting ist den Vordergrund gerückt und die Regler sind runtergedreht worden. Die Widerspenstige scheint gezähmt wer´s glaubt wird selig.

