«Schattenwelt»: Drama über Täter und Opfer der RAF | 22.06. 11:43 | ProAktuell.de
08.02.2012 | 18:22 Uhr |
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Opfer und Täter: Die Wege von Valerie (Franziska Petri) und Widmer (Ulrich Noethen) kreuzen sich. (Bild: Salzgeber)
22.06.2009 11:43
«Schattenwelt»: Drama über Täter und Opfer der RAF

Berlin - Ex-Terrorist Peter-Jürgen Boock ist Co-Autor. Das hat den RAF-Film «Schattenwelt» noch während der Dreharbeiten in die Schlagzeilen gebracht.

In dem fiktiven Drama geht es um einen aus der Haft entlassenen Terroristen (Ulrich Noethen) und die Tochter eines Opfers (Franziska Petri), deren Wege sich kreuzen. Regisseurin Connie Walther hat ihr Drama über die Nachwehen der RAF in gebleichten Farben gedreht. Sie konzentriert sich auf die Figuren, die Handlung wirkt sehr konstruiert. Die Schauspielerriege ist interessant, von Christoph Bach als Terroristensohn bis zu Eva Mattes als Ex-RAF-Frau «Pocke».

«Schattenwelt», der im Herbst 2008 beim Filmfestival in Rom lief, wird längst nicht so eine Medienlawine auslösen wie Bernd Eichingers Großprojekt «Der Baader Meinhof Komplex», unternimmt dafür aber den Versuch, auch die Opferperspektive zu beleuchten. Wie leben die Angehörigen der RAF-Toten? Was bedeutet es für sie, dass sie oft das genaue Tatgeschehen nicht kennen, dass sie nicht wissen, wer zur Waffe griff? Die Antwort, die Drehbuchautor Uli Herrmann gibt, ist zu sehr Kino, um wirklich zu überzeugen: Das Opfer wird zum Täter.

Franziska Petri («Vergiss Amerika») spielt Valerie, die Tochter eines Gärtners, der beim Attentat auf einen Bankpräsidenten versehentlich erschossen wurde. Sie kommt in ihrem Leben nicht zurecht, hat das Sorgerecht für ihren Sohn verloren. Ex-Terrorist Widmer, der gerade 22 Jahre Gefängnis in Freiburg hinter sich hat, wird ihr Nachbar. Sie stellt ihm nach und startet schließlich mit der Waffe in der Hand einen blutigen Alleingang. Valerie zwingt den Täter, endlich die Wahrheit zu sagen.

Bei den Dreharbeiten in Berlin stellte die Regisseurin klar, dass sich Boock, der 1977 an der Schleyer-Entführung beteiligt war, nicht an dem Film bereichert habe. Autor Herrmann lernte Boock demnach zufällig kennen, er sei ein «wichtiger Stein» in der Recherche gewesen. In der Tat wirkt die Darstellung des Terroristen, der wie aus der Zeit gefallen scheint, authentisch.

Für Ulrich Noethen («Ein fliehendes Pferd») ist der mürrische Einzelgänger mit dem Vollbart, der sich vor der Wahrheit drückt, eine Paraderolle. Auch Franziska Petri hat einen starken Auftritt. Es ist ein bleierner Film, der nachdenklich macht. Wer aber die Opferperspektive verstehen will, sollte lieber Carolin Emckes Buch «Stumme Gewalt: Nachdenken über die RAF» lesen.

schattenwelt-der-film.de