
Wolfsburg macht Meisterprüfung: 5:1 gegen Bremen
Wolfsburg - Mit einer zauberhaften Tor-Gala hat der VfL Wolfsburg das wunderbare Fußball-Märchen wahr gemacht und zum ersten Mal in seiner 64-jährigen Geschichte die deutsche Meisterschaft gewonnen.
«Das ist ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Ich hatte vor der Saison nicht gedacht, dass wir eine Chance haben, deutscher Meister zu werden. Wir sind verdient Meister geworden in dieser Saison», sagte Magath, der kurz nach der Trophäenübergabe mit Konfetti-Schnipseln auf dem Kopf die Freude über die famose Saison mit einem furiosen Finale in sich gekehrt auf dem Rasen genoss. Die Sieger verschwanden nur kurz in der Kabine - dann kamen sie zum Jubel-Festival der Fans auf den Rasen zurück.
Zum Bundesliga-Abschluss kam der VfL zu einem 5:1 (3:1)-Heimsieg über Werder Bremen und verwies die Verfolger Bayern München und VfB Stuttgart damit endgültig in die Schranken. «Wahnsinn! Deutscher Meister. Ich hab´ nicht gedacht, dass ich nach nur zwei Jahren in Deutschland Meister werde. Jetzt wird viel gefeiert, die ganze Nacht», jubelte Stürmer Edin Dzeko, der mit der Meisterschale in den Händen kaum zu bremsen war. Die Torjägerkrone sicherte sich indes Sturmpartner Grafite. Der 30 Jahre alte Brasilianer erzielte 28 Tore und damit zwei mehr als sein sieben Jahre jüngerer Teamgefährte Dzeko.
80 Tore insgesamt - fünf davon gegen Bremen - Grafite (15./56. Minute), Zvjezdan Misimovic (6.), Dzeko (74.) und der Bremer Sebastian Prödl (26./Eigentor) erzielten vor 30 000 Zuschauern in der ausverkauften Volkswagen Arena die Treffer für die «Wölfe», die die Meisterschale zum ersten Mal nach 42 Jahren wieder nach Niedersachsen holten. Mittelfeld-Regisseur Diego (31.) traf für den DFB- Pokalfinalisten Werder Bremen.
Der Wolfsburger Werksclub, der 2006 und 2007 nur knapp dem Abstieg aus der Bundesliga entronnen war, steht nach nur zwei Jahren unter Magath in der Beletage des deutschen Fußballs ganz oben. «Das ist für unser Land eine große Sache», betonte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff noch auf dem Platz, ehe es mit der Mannschaft zum Rathaus gehen sollte. «Ganz Deutschland soll sich freuen, sie haben die meisten Tore geschossen. Sie haben die Meisterschaft verdient.»
Mit dem 16. Bundesliga-Heimsieg im 17. Spiel machte der Werksclub die grandiose Rückrunde perfekt. Auf dem neunten Rang, neun Punkte hinter Tabellenführer TSG 1899 Hoffenheim ins Jahr 2009 gegangen, mischte das drittjüngste Team der Liga die Konkurrenz auf. Am 4. April demütigte Magath seinen ehemaligen Arbeitgeber Bayern München mit 5:1, übernahm damit die Tabellenführung und gab sie seitdem nicht mehr her.
«Einen herzlichen Glückwunsch an Wolfsburg. Vor der Leistung von Felix Magath kann man nur den Hut ziehen», sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge: «Wenn man so eine fantastische Rückrunde spielt, kann man nur gratulieren. Wolfsburg ist zum ersten Mal Meister, wir waren es 21 Mal. Da ist der zweite Platz kein Beinbruch.»
Bei sommerlichen Temperaturen, Sonnenschein und einer prächtigen Kulisse hatten die in Bestbesetzung angetretenen Hausherren, bei denen Kapitän Josué nach abgesessener Gelb-Sperre wieder in der Startelf stand, die Weichen nach einer Viertelstunde auf Sieg gestellt. Zunächst schoss Regisseur Zvejzean Misimovic aus Mittelstürmerposition scharf unter die Latte zur psychologisch wichtigen Führung ein. Nur neun Minuten später schob Grafite eine Eingabe von Christian Gentner gekonnt zum 2:0 ein. Die Bremer Defensive leistete zu beiden Treffern die Vorarbeit: Pasanen war der Sündenbock beim ersten Gegentreffer, Frings ließ Gentner beim zweiten unbedrängt flanken.
Damit war die Meisterschale praktisch sicher in den Händen der «Wölfe». Als dann auch noch Prödl eine Flanke von Grafite unglücklich ins eigene Tor abfälschte, war die Meisterfeier endgültig eingeläutet und die Freude auf den Rängen grenzenlos. Daran änderte auch Diegos letztes Bundesliga-Tor nach einer guten halben Stunde nichts. Nach schönem Doppelpass mit Claudio Pizarro ließ der Brasilianer VfL-Torhüter Diego Benaglio keine Abwehrmöglichkeit.
Nach Wiederanpfiff versuchte Diego nachzulegen, aber sein platzierter 20-Meter Freistoß wurde eine sichere Beute von Benaglio (47.). Auch Pizarro versuchte es (54.), aber ebenso vergeblich. Ganz anders Grafite: Sein Kopfball schlug unhaltbar zum 4:1 ein und ermunterte auch die größten Pessimisten unter den Wolfsburgs Anhängern zur La-Ola-Welle. «Momentan ist das noch nicht zu realisieren», meinte Gentner zum Titelgewinn.

