Wall Street schließt im Minus
New York - Eine unerwartete Eintrübung des Verbrauchervertrauens hat am Dienstag die Kurse an der Wall Street unter Druck gesetzt. In den USA hatte sich die Stimmung der Konsumenten im Juni überraschend verschlechtert.
Händlern zufolge befürchten die Anleger nun, dass sich die Wirtschaft nicht so schnell erholen könnte wie zuvor gedacht. Auf ihrer Verkaufsliste standen dementsprechend vor allem Industrie- und Konsumwerte.
Der Dow-Jones-Index fiel um 0,97 Prozent auf 8447,00 Zähler. Auf Halbjahressicht bedeutet dies ein Minus von knapp vier Prozent. Der marktbreite S&P-500-Index sank um 0,85 Prozent auf 919,32 Zähler. An der Technologiebörse NASDAQ verlor der Composite-Index 0,49 Prozent auf 1835,04 Zähler. Für den Auswahlindex NASDAQ 100 ging es um 0,44 Prozent auf 1477,25 Punkte nach unten.
Angesichts der Katerstimmung bei den US-Verbrauchern zählten die Aktien des Konsumgüterproduzenten Procter & Gamble zu den größten Verlierern im Dow. Sie fielen um 2,16 Prozent auf 51,10 US-Dollar. Titel des Unterhaltungsriesen Walt Disney verbilligten sich um 1,39 Prozent auf 23,33 Dollar.
Schlusslicht im Dow waren die Papiere des weltgrößten Baumaschinenherstellers Caterpillar mit einem Abschlag von 4,89 Prozent auf 33,04 Dollar. Aktien des Chemiekonzerns DuPont verbilligten sich um 1,50 Prozent auf 25,62 Dollar.
Die Papiere des Versicherers American International Group (AIG) sackten gar um 12,78 Prozent auf 1,16 Dollar ab. Der bereits durch Milliardenhilfen gestützte Konzern warnte vor neuen massiven Risiken in seinem Geschäft mit europäischen Banken. Bei einer weiteren Talfahrt der Märkte drohten durch Wertpapiere im Umfang von fast 193 Milliarden Dollar (137 Milliarden Euro) zusätzliche Verluste in noch unbekannter Höhe.
Andere Finanztitel konnten sich dem negativen Sog nicht entziehen und verbuchten ebenfalls Abschläge. So fielen die Titel von JPMorgan um 1,42 Prozent auf 34,11 Dollar und die Aktien der Citigroup sanken um 1,66 Prozent auf 2,97 Dollar. Für die Anteilsscheine von Morgan Stanley ging es um 2,03 Prozent auf 28,51 Dollar nach unten und Goldman-Sachs-Papiere verloren 1,29 Prozent auf 147,44 Dollar.
Die UBS hatte die Bewertung von JPMorgan, Citigroup und Morgan Stanley mit «Neutral» wieder aufgenommen. Die neue Einschätzung für die Papiere von Goldman Sachs (GS) lautet nun «Buy». Goldman Sachs weise eine starke Eigenkapitalquote auf und wegen ihres Risikomanagements könne die Investmentbank offensiv auftreten, begründete Analyst Glenn Schorr in einer Studie seine «Buy»- Einschätzung. Bei der Citigroup hingegen fielen weiterhin Kredite aus, so dass deren Aktien lediglich mit «Neutral» bewertet würden. Auch JPMorgan habe weiterhin stark mit seinen Kreditpositionen zu kämpfen, sei aber ansonsten im Wettbewerb gut aufgestellt. Morgan Stanley schließlich befinde sich derzeit in einem Transitionsprozess, der kurzfristig die Gewinne dämpfen dürfte.
Aktien von Ford Motor aber arbeiteten sich gegen den negativen Trend um 5,02 Prozent auf 6,07 Dollar vor. Der Autobauer hatte am späten Montagabend mitgeteilt, er gehe davon aus, im Juni Marktanteile auf dem Heimatmarkt gewonnen zu haben. Gleichzeitig kündigte der Konzern an, seine Produktion in Nordamerika im dritten Quartal erhöhen zu wollen.
Gefragt waren auch Papiere von Electronic Arts, die um 4,37 Prozent auf 21,72 Dollar stiegen. Die Analysten von Merrill Lynch hatten die Papiere des Computerspiele-Entwicklers von «Neutral» auf «Buy» hochgestuft. Sie rechnen mit Blick auf starke Kernprodukte wie die Alltagssimulation «Sims» damit, dass die durchschnittlichen Marktschätzungen angehoben werden.
Der Rentenmarkt tendierte schwach. Die richtungweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihen gaben um 13/32 Punkte auf 96 21/32 Punkte ab und rentierten mit 3,525 Prozent. Börsianer sprachen von Gewinnmitnahmen nach den jüngsten Aufschlägen am Rentenmarkt. Der Euro sackte ab und kostete 1,4027 Dollar. Grund dafür war Börsianern zufolge die überraschende Eintrübung der Verbraucherstimmung in den USA, die Kursverluste an der Wall Street auslöste. Vor diesem Hintergrund sei der Greenback als vermeintlich «sicherer Hafen» gesucht gewesen.

