Poker um Opel: RHJ-Angebot nachgebessert | 30.06. 17:34 | ProAktuell.de
07.02.2012 | 22:28 Uhr |
Top News
Anzeige
Vermischtes
GM nimmt das überarbeitete Angebot des Finanzinvestors sehr ernst, heißt es.
30.06.2009 17:34
Poker um Opel: RHJ-Angebot nachgebessert

London/Rüsselsheim/Erfurt - Im Poker um den Autobauer Opel ist der Finanz-Investor RHJ International laut einem Zeitungsbericht mit einem verbesserten Angebot wieder voll im Spiel.

Damit wächst der Druck auf den bisherigen Favoriten um den Einstieg bei Opel, den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna. Magna-Chef Siegfried Wolf drängte am Dienstag auf einem Automobil-Branchentag in Erfurt auf eine schnelle Einigung: «Wir wollen am 15. Juli zum Abschluss kommen.» An jedem Tag ohne Entscheidung werde «Geld verbrannt».

Die «Financial Times» (Dienstag) berichtete unter Berufung auf eine mit der Situation vertraute Person, dass der insolvente US- Autobauer General Motors (GM) noch in dieser Woche mit der europäischen Tochter des US-Finanzinvestors Ripplewood ein «Memorandum of Understanding» (unverbindliche Absichtserklärung) unterzeichnen könne. GM nehme das überarbeitete Angebot sehr ernst, denn der US-Autobauer sei daran interessiert, zwei feste Angebote zu haben.

Der insolvente Hersteller will seine Verhandlungsposition gegenüber Magna stärken. Auch der chinesische Autobauer Beijing Automotive Industry Corp. (BAIC) könnte bald ein überarbeitetes Angebot einreichen, schreibt das Blatt.

Opel wollte den Bericht am Dienstag nicht kommentieren. GM Europa hatte aber bereits mehrfach betont, dass außer mit Magna auch mit anderen Interessenten verhandelt werde.

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) sagte am Dienstag hingegen, es gebe keinen Bieterwettbewerb um Opel. «Wir haben uns Ende Mai für das Geschäftskonzept von Magna entschieden. Es gibt derzeit keine weiteren Bieter.» Wenn der österreichisch- kanadische Automobilzulieferer Magna seine Zusagen erfülle, stehe «die Treuhandbrücke fest». Derzeit gebe es noch «drei bis vier offene Fragen». Die Aussicht, dass es zu einem Vertragsabschluss mit Magna komme, sei aber groß.

In seiner neuen Offerte habe RHJ International den «politischen Empfindlichkeiten» in Deutschland bezüglich des geplanten Jobabbaus bei Opel mehr Beachtung geschenkt, schreibt die «Financial Times». Die erste Offerte war in Berlin durchgefallen. Die Regierung bevorzugte das gemeinsame Konzept von Magna und russischen Partnern.

Zwar hat GM das letzte Wort. Als Geldgeber haben Bund und Länder mit Opel-Standorten aber Einfluss. Bisher wurde Opel ein öffentlicher Brückenkredit von 1,5 Milliarden Euro zugesagt, mit dem der Autobauer sein Geschäft bis zur angestrebten Übernahme durch einen Investor weiterführen kann. Sollten die Verhandlungen mit Magna scheitern, droht der deutschen Politik eine herber Image-Verlust - und der Steuerzahler könnte auf den Kosten sitzen bleiben.

Dazu wird es laut Wolf aber nicht kommen. Er sei «guter Hoffnung», bei Opel zum Zuge zu kommen. Er machte aber auch deutlich, dass seine Kompromissbereitschaft Grenzen hat. «Wir wissen ziemlich genau, was wir zusagen können und was nicht.» Magna dürften keine Hürden auferlegt werden, die nicht umsetzbar seien. Einem Rückkaufsrecht von Opel-Anteilen durch GM beispielsweise würde er «sicher nicht zustimmen». Aus Verhandlungskreisen hieß es am Dienstag, die Gespräche kämen gut voran. Magna habe Verständnis dafür, dass GM weitere Angebote einhole.

Die «Financial Times» berichtete hingegen, dass die Verhandlungen ins Stocken geraten seien, weil man sich über den künftigen Zugang zur GM-Technologie uneinig sei. Magna will mit dem russischen Autobauer GAZ und der staatlichen Sberbank künftig in Russland auf Opel-Technologie basierende Autos bauen.

Um den Verkauf an einen Investor vorzubereiten, gehört Opel derzeit zu 65 Prozent einer Treuhandgesellschaft, 35 Prozent hält die bisherige Mutter GM. Der Vorsitzende des Treuhandbeirats, Fred Irwin, hatte GM am Montag aufgefordert, sich alle ernsthaften Investoren anzuschauen und mit ihnen gleichberechtigt zu sprechen. Ein frühzeitiger Zuschlag für einen Interessenten schmälere den Verhandlungsspielraum und sei deshalb schlecht für den Verkäufer und die Opel-Mitarbeiter.

Unterdessen kämpfen die europäischen Opel-Händler weiter um eine Beteiligung an der angestrebten neuen Opel-Gesellschaft. Ihre Vereinigung Euroda werde erneut mit Magna verhandeln, teilten die Händler am Dienstag in München mit. Zwar habe Magna bei einem ersten Treffen wenig Interesse an einer Händlerbeteiligung an den Werken gezeigt. Gleichzeitig habe der Zulieferer aber signalisiert, dass eine Beteiligung im Vertriebsbereich durchaus vorstellbar sei. Der Vorsitzende der Vereinigung, Jaap Timmer, sagte: «Es geht um eine Beteiligung an der Vertriebsorganisation.» Aus Verhandlungskreisen hieß es, denkbar sei die Ausgliederung einer Vertriebstochter, an der sich die Händler beteiligen könnten. Ursprünglich hatten die Händler einen Firmenanteil von 10 bis 15 Prozent angestrebt.