



Lisicki und Haas im Viertelfinale von Wimbledon
London - Kühl, konzentriert und erfolgreich wie nie: Sabine Lisicki und Thomas Haas sind in Wimbledon das neue Tennis-Traumpaar.
Nacheinander stürmten die beiden deutschen Aushängeschilder mit Wohnsitz Florida auf dem selben Court No. 4 in ihr erstes Wimbledon-Viertelfinale und versetzten die Konkurrenz in Angst und Schrecken. Bei brütender Hitze in London behielt die kesse Berlinerin kühlen Kopf und setzte sich im Duell der Racket-Schönheiten gegen die Dänin Caroline Wozniacki 6:4, 6:4 durch. Haas, der mit 31 Jahren und 2 Monaten älteste Spieler in der Runde der besten 16, besiegte den Russen Igor Andrejew in 2:14 Stunden sicher mit 7:6 (10:8), 6:4, 6:4.
Dreizehn Jahre hat es gedauert, bis Steffi Graf und Alexander Radulescu ihre Nachfolger als Viertelfinal-Pärchen gefunden haben. Die Vergleiche mit der siebenmaligen Wimbledonsiegerin werden für Sabine Lisicki dadurch bei den All England Championships sicher nicht weniger. Doch die Weltranglisten-41. kann diesen Druck ertragen. «Ich habe Steffi Graf schon einmal getroffen, eine tolle Sportlerin. Sie ist auch mein Idol», sagte Lisicki. Fedcup-Chefin Barbara Rittner aber bremste: «Steffi hatte mit 19 schon den Grand Slam und Olympia gewonnen, das war eine ganz andere Zeit.»
Spielerisch würden sie sich schon ähneln. «Aber Sabine kann sogar noch schneller aufschlagen», meinte Rittner. Das bewies sie auch in den 79 Minuten gegen ihre Freundin Caroline Wozniacki, die wie sie ihre Wurzeln in Polen hat, als Neunte der Weltrangliste aber schon die Top-Ten erreicht hat. Bei zunehmend schwüler Hitze schaffte die blonde deutsche Tennishoffnung zum 3:2 das erste Break. Auch im zweiten Durchgang ging sie gleich 2:0 in Führung und wehrte die Angriffe der ein Jahr jüngeren Wozniacki ab, die sich für die finale Niederlage im April in Charleston revanchieren wollte.
Nächste Gegnerin wird die Weltranglisten-Erste Dinara Safina aus Russland sein. «Auch das kann sie schaffen», so Rittner. Um 17.46 Uhr deutscher Zeit wurde auch sie Zeugin, wie in Wimbledon eine neue Zeitrechnung begann. Im ersten Regen des Turniers schloss sich erstmals das neue Dach über dem Center Court.
Der zwölf Jahre ältere Haas darf sich einen Tag länger ausruhen. Novak Djokovic wird sein Viertelfinal-Gegner sein. Trotz des Endspielsieges vor zwei Wochen in Halle sollte der schon unter die besten 30 zurückgekehrte Haas den Serben nicht unterschätzen. «Das wird ein ganz anderes Match», warnte Trainer Thomas Hogstedt. Und auch Haas weiß: «Er wird sich jetzt noch mehr reinhängen.»
«Ich wollte mich auch für die Davis-Cup-Pleite revanchieren. Das war heute eine zusätzliche Motivation für mich», sagte der Davis-Cup- Spieler, der Andrejew im Halbfinale vor zwei Jahren in Moskau glatt in drei Sätzen unterlag und dem Team seither einen Korb gibt. Schon nach wenigen Minuten lief er heiß. Sogar die üblichen Wutausbrüche verkniff sich der gewandelte Hamburger. Auf der Tribüne zitterte der alte/neue Trainer Hogstedt und ballte die Faust, als Haas nach einem Auf und Ab endlich den Tiebreak des ersten Satzes gewonnen hatte. «Danach war ich etwas relaxter», erzählte Haas.
Während der fünfmalige Champion Roger Federer aus der Schweiz, der im Halbfinale möglicher Haas-Gegner sein könnte, die Neuauflage des French-Open-Finals gegen den Schweden Robin Söderling mit 6:4, 7:6 (7:5), 7:6 (7:5) gewann und jetzt auf den Kroaten Ivo Karlovic trifft, forderten die hohen Temperaturen auf dem kleinen Center Court ihren Tribut. Ana Ivanovic aus Serbien musste beim Stand von 1:6, 1:0 aus ihrer Sicht ihr Achtelfinale gegen Venus Williams aufgeben. Die Titelverteidigerin erwartet nun Agniezka Radwanska aus Polen.





