Federers Frieden: «Jetzt kann ich frei aufspielen» | 08.06. 13:18 | ProAktuell.de
08.02.2012 | 00:33 Uhr |
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08.06.2009 13:18
Federers Frieden: «Jetzt kann ich frei aufspielen»

Paris - Die Welt verneigt sich vor Roger Federer. «Er ist derjenige, der den Titel am meisten verdient», sagte Federers dreimaliger French-Open-Final-Bezwinger Rafael Nadal.

«Der Spieler Roger Federer wurde 2003 mit seinem ersten großen Titel in Wimbledon geboren. Gestern wurde er in Roland Garros unter Londoner Regen der Größte», schrieb am Tag nach seinem historischen Finalsieg gegen den überforderten Schweden Robin Söderling die französische Zeitung «Libération». Ob Konkurrenten, internationale Presse oder Tennis-Stars vergangener Zeiten: Nach Federers erstem French-Open-Triumph, seinem 14. Major-Titel und dem vollbrachten Karriere-Grand-Slam jagte ein Superlativ den anderen. Die Sportzeitung «L´Équipe» räumte ihre komplette Titelseite frei und schrieb über das Bild des schreienden Schweizers im Moment seines Sieges: «Le Maestro».

Spätestens seit diesem 7. Juni 2009 gehört der Tennisprofi Roger Federer aus Basel in die Kategorie der Größten unter den Großen in der Welt des Sports. Kein Tennisspieler hat mehr Grand-Slam-Titel vorzuweisen als er. Als sechster Spieler überhaupt hat er sich bei allen vier Grand-Slam-Turnieren als Sieger verewigt.

Der legendäre Pete Sampras, mit 14 Titeln bislang alleiniger Rekordhalter, erklärte feierlich: «Ich bin sicher, dass er noch viele weitere Grand-Slam-Titel gewinnen wird. Dieser Sieg in Paris zementiert meiner Meinung nach seinen Platz in der Geschichte als der größte Spieler, der dieses Spiel je gespielt hat.» Und auch Federers Freund, Golf-Star Tiger Woods, übermittelte vom Memorial Tournament in Dublin im US-Bundesstaat Ohio seine Glückwünsche: «Das war beeindruckend anzusehen.»

Der Gepriesene aber denkt gar nicht daran, das Gesagte und Geschriebene als Aufforderung zum Ausklang der Karriere zu verstehen. «Olympia-Gold im Einzel, der Davis Cup oder Wimbledon noch x-Mal zu gewinnen, das sind schon noch Ziele und Träume von mir», sagte Federer. «Jetzt kann ich frei aufspielen.»

Eine Stunde lang antwortete er tief im Inneren des Court Philippe Chatrier auf alle Fragen dieser Welt. Erst auf englisch, französisch, schweizerdeutsch und am Ende auf hochdeutsch. Die graue Schlabber-Jogginghose über die Waden nach oben gekrempelt und mit weißer Mütze auf dem Kopf saß er da wie immer. Mit der Geduld und Gelassenheit eines wahren Champions redete er über Tiger Woods, seine schwangere Frau Mirka, den verrückten Flitzer und auch über das knappe Achtelfinale gegen Thomas Haas. Nur eines hatte sich an diesem Abend im regnerisch-kühlen Paris an Federers Outfit geändert: Neben dem «RF»-Schriftzug auf der Vorderseite der weißen Trainingsjacke war nun auch hinten eine etwas größere Stickerei zu sehen: Eine grau-silberne 14 prangte auf dem Rücken des Schweizers.

Auf die Frage, ob die 14 Grand-Slam-Titel oder die Tatsache, bei allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens einmal gewonnen zu haben, höher einzuschätzen sind, wusste er aber keine rechte Antwort. «Beide sind unglaublich», sagte Federer. «Alle vier zu gewinnen, geht vielleicht schneller, weil du im richtigen Moment in guter Form bist.» Tatsächlich sind 14 Titel bei den vier wichtigsten Eckpfeilern der Tennis-Saison nur mit jahrelanger Konstanz zu erreichen. Eine Konstanz, die der Schweizer mit fünf Wimbledon-, fünf US-Open, drei Australian-Open und einem French-Open-Titel Jahr um Jahr nachweist.

Fast klang es daher wie eine Drohung, als er sagte: «Ich freue mich riesig auf Wimbledon.» Dort hatte ihm vor einem Jahr Nadal die Krone des Rasen-Königs entrissen - ein Makel, den Federer wiedergutmachen will. Passend dazu dichtete der «Daily Telegraph»: «Federer als Champion gekrönt - und nun auf nach Wimbledon, zu den Petunien und den efeuumrankten Mauern, dem Turnier, bei dem Federer der erste Mann werden kann, der 15 Grand-Slam-Titel gewinnt.»