«Retter in Not»: Spitzenkräfte über sich selbst | 30.06. 12:38 | ProAktuell.de
08.02.2012 | 00:29 Uhr |
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Krisensitzung: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (r.) mit Beamten im Finanzministerium. (Bild: NDR/ECO Media)
30.06.2009 12:38
«Retter in Not»: Spitzenkräfte über sich selbst

Hamburg - «Deutschlands Spitzenkräfte bekennen sich schuldig.» Dieses Resümée zieht der Norddeutsche Rundfunk aus seiner «exklusiv»-Reportage, die die ARD an diesem Mittwoch (21.45 Uhr) ausstrahlt. Die wichtigsten Personen aus Politik und Finanzwirtschaft in Deutschland räumen in dem Beitrag eine Mitschuld an der Wirtschaftskrise ein.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), der ehemalige Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und andere Spitzenkräfte setzen sich in dem Film von Stephan Lamby kritisch mit der eigenen Rolle auseinander. Für seine Dokumentation hatte Lamby auch Zugang zu Kanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Bundesbankchef Axel Weber.

«Ich habe daran geglaubt, dass gewisse stabilisierende Elemente immer wirken», sagt Ackermann in dem Bericht. «Zum Beispiel, dass die Risiken zwar weltweit gestreut sind; aber jeder so viele Risiken nimmt, wie er selbst verkraften kann - und dass dadurch das System auch bei großen Schocks von außen die Stabilität behält. Das war eine Annahme, die falsch war. Aufgrund dieser Annahme hat man Positionen aufgebaut, die sich im Nachhinein als zu groß erwiesen haben. Insofern: Selbstverständlich habe ich auch eine Mitschuld."

Selbstkritisch äußert sich in Lambys Bericht auch Deutschlands oberster Bankenaufseher, Jochen Sanio, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht: «Wir, die deutsche Aufsicht, weltweit die Aufsicht, hat ihre Aufgabe nicht erfüllt - ihre Aufgabe, die Stabilität des Systems zu garantieren ohne den Einsatz von Steuermitteln.»

Auch die Politiker Peer Steinbrück und Michael Glos bekennen sich laut NDR bei ihrer Ursachenforschung zur eigenen Schuld. So erinnere Finanzminister Steinbrück an die Koalitionsverhandlungen 2005. Damals habe die Bundesregierung versucht, den Finanzmarktplatz Frankfurt «auf Augenhöhe mit der City of London und mit der Wall Street zu halten. Dies ist zu naiv gewesen.» Und Ex-Wirtschaftsminister Glos ergänzt: «Wir tragen alle eine kollektive Mitschuld.»

Nach der 30 Minuten langen Fassung in der ARD wird das NDR Fernsehen am Montag (6. Juli) um 23 Uhr eine 45 Minuten lange Version des Berichts ausstrahlen.