Vettel-Triumph im «Button»-Land: Mehr als ein Sieg | 22.06. 11:13 | ProAktuell.de
08.02.2012 | 18:06 Uhr |
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22.06.2009 11:13
Vettel-Triumph im «Button»-Land: Mehr als ein Sieg

Silverstone - Lob vom Chef, Respekt vom größten Gegner und Genugtuung für sich selbst: Mit seiner Triumphfahrt von Silverstone hat Sebastian Vettel mehr gewonnen als nur den Großen Preis von Großbritannien.

Durch seinen grandiosen Sieg hat der junge Red-Bull-Pilot auch die erste schwierige Phase seiner noch kurzen Formel-1-Karriere umkurvt und aufkommende Kritik nach Patzern und Pannen der vergangenen Wochen verstummen lassen. «Vettel zeigt, was in ihm steckt», brachte es das britische Boulevardblatt «Daily Express» auf den Punkt.

«Sebastian war brillant», sagte sein Teamchef Christian Horner. «Das war sensationell. Die stärkste Performance des Jahres. So dominant hat in diesem Jahr noch keiner gewonnen», meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Papa Norbert Vettel bejubelte ein «saugeiles Rennen» seines Sohnes. Und selbst WM-Spitzenreiter und Seriensieger Jenson Button, dessen BrawnGP-Team erstmals in dieser Saison Schwächen zeigte, machte große Komplimente: «Fantastisch! Sebastian hat keinen Fehler gemacht und verdient gewonnen.»

Dem Gepriesenen war die Erleichterung nach seinem Coup ausgerechnet im «Button-Land» anzumerken. Im Interviewmarathon redete der Heppenheimer fast so schnell, wie er zuvor gefahren war - als müsste er auch verbal einiges wiedergutmachen. Noch zwei Wochen zuvor hatte er in der Türkei nach seinem dritten gravierenden Fehler in diesem Jahr und dem verpassten Sieg Kritik einstecken müssen. Auch seine öffentlich geäußerten Vorwürfe an das Team wegen einer angeblichen falschen Strategie waren nicht gut angekommen.

In Silverstone machte er in einem wegen seiner Dominanz letztlich langweiligen Rennen nicht nur auf der Strecke alles richtig, sondern auch danach. Vettel streichelte die Seele seines Teams. «Unsere gesamte Mannschaft hat wirklich tolle Arbeit geleistet und die neuen Teile in vielen Nachtschichten noch fertig bekommen. Ergebnisse sind die beste Art und Weise, um sich bei jedem Einzelnen zu bedanken», sagte er vor allem in Richtung der Mechaniker im nur 15 Auto-Minuten entfernten Werk in Milton Keynes, ehe er sich zum Barbecue im Garten von Teamchef Horner verabschiedete.

Gerade den Mechanikern hatten er und sein zweitplatzierter Teamkollege Mark Webber zu verdanken, dass sie in einem stark verbesserten Auto der Konkurrenz auf und davon fahren konnten. Selbst die sonstigen Seriensieger von BrawnGP hielten nicht mehr mit. Mehr als Platz drei von Rubens Barrichello mit über 40 Sekunden Rückstand war nicht drin. Button musste mit Platz sechs sein schlechtestes Saisonergebnis hinnehmen. «Das muss man anerkennen. Red Bull war heute wirklich unschlagbar», meinte Teamchef Ross Brawn. «Vettel jagt Button Angst ein», befand «La Gazzetta dello Sport».

Auch wenn Vettel (39 Punkte) in der Gesamtwertung noch immer Dritter hinter Button (64) und Barrichello (41) ist, gilt das Ausnahmetalent jetzt mehr denn je als der große Herausforderer des WM-Führenden. Nur der Brite (6 Siege) und der Deutsche (2 Siege) haben in diesem Jahr gewonnen. «Der Vorsprung von Jenson ist immer noch sehr komfortabel. Er war bisher so konstant, dass er jetzt wohl nicht komplett einbrechen wird. Aber wir werden alles versuchen», versprach Vettel.

Dass Red Bull nun dank der finanziellen Power seines Besitzers Dietrich Mateschitz mehr PS-Geld und deshalb einen entscheidenden Vorteil im Titelkampf hat gegenüber den bescheidener kalkulierenden BrawnGP, wies Teamchef Horner zurück. Mehr Geld gebe es nicht. «Dietrich Mateschitz gibt uns alles, was wir brauchen. Aber Geld allein gewinnt keine Rennen.» Stimmt. Man braucht auch einen starken Fahrer - wie Vettel.