
Movimentos-Preis: Tanz kennt keine Grenzen
Wolfsburg - Er gilt als einer der bedeutendsten Choreographen Asiens - Lin Hwai-min aus Taiwan ist am Dienstagabend für sein Lebenswerk mit dem internationalen Movimentos Tanz-Preis geehrt worden.
Im denkmalgeschützten Kraftwerk des Wolfsburger Autobauers Volkswagen nahm der 62-Jährige die Würdigung entgegen. «Man könnte meinen, dass der Preis die Lizenz ist, sich zur Ruhe zu setzen, aber das wird sicher nicht passieren», sagte er. Sein Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan zeigte am Ende der Gala das Stück «Wild Cursive», eine getanzte Assoziation über die strengen Regeln der Kalligraphie.
Der internationale Movimentos Tanz-Preis wird alle fünf Jahre gemeinsam von der VW-Autostadt und den Fernsehsendern ZDF und Arte vergeben. Neben dem Hauptpreisträger gab es in diesem Jahr noch Ehrungen für fünf weitere Künstler; insgesamt wurden 60 000 Euro Preisgelder vergeben. «Die Auszeichnung soll eine Anerkennung für die Künstler sein, für die Schönheit, Perfektion und künstlerische Kraft, die sie uns auf der Bühne zeigen», sagte Autostadt-Geschäftsführer Otto Ferdinand Wachs. VW-Konzernvorstand Jochem Heizmann verglich den Tanz mit Autos: Bei beiden gehe es um Emotionalität, Perfektionismus und Faszination, begründete er das Engagement des VW-Konzerns.
Das Programm der Preisverleihung zeigte einen Teil der großen Vielfalt des Modernen Tanzes. Lange, weiße Papierstreifen hingen von der Decke auf die Bühne herab. Fremdartig, aber voller Harmonie bewegten sich die 19 Tänzer des Cloud Gate Dance Theatre. Aus geschmeidigen, langsamen Bewegungen heraus, die an Tai Chi erinnern, werden die Tänzer mal schneller, mal wieder bedächtiger. Mal steht ein einzelner Tänzer im Vordergrund, mal scheint die ganze Compagnie zu einem sich im Wind bewegenden Ozean zu werden, nahe bei einander wiegen sie sich im Takt der Wellen.
Lin Hwai-min verbindet fernöstliche Tradition und Modernen Tanz. «Der Preis ist für uns eine große Ermutigung und finanzielle Unterstützung zur rechten Zeit», betonte der Choreograph. Das Gebäude des von ihm gegründeten Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan war im vergangenen Jahr abgebrannt. Seine 20 000 Euro Preisgeld will er in den geplanten Neubau investieren.
Ganz anders als die Darbietung der Taiwanese, aber nicht weniger kraftvoll sind die Arbeiten des als Nachwuchskünstler gewürdigten Hofesh Shechter. Nach harten Schlagzeugklängen streifen die Tänzer über die Bühne, werfen die Köpfe von einer Richtung in die andere. Kampf, Wut und Energie sind Stichworte, die der 33-Jährige dem Publikum in einem eingespielten Film vorgibt. Der ebenfalls als Ideengeber ausgezeichnete Dave St-Pierre will dem Publikum einen Spiegel vorhalten, seine Stücke beschäftigten sich mit Alltagsproblemen wie Übergewicht und gelten als provokativ.
Die als «Beste Tänzerin» ausgezeichnete Mercedes Ruiz zeigt, dass der Flamenco in ihrer neuen Interpretation nicht an Ausdruckskraft verliert. Zum «Besten Tänzer» ernannte die Jury den Algerier Abou Lagraa, der in seinen Tanzszenen Okzident und Orient verbindet. Ganz anders bewegen sich wiederum die Tänzer der Compagnie Random Danced. Ihr Leiter Wayne McGregor erhielt den Preis für die beste Choreographie. McGregor spürt in dem Stück «Entity» der Verbindung zwischen Gehirn und Körper nach, herausgekommen sind dabei fremdartige, komplizierte Bewegungen.
Das Festival Movimentos läuft noch bis zum 31. Mai. Neben den Auftritten von internationalen Tanzcompagnies der Spitzenklasse werden auch Jazz-, Rock- und Popkonzerte sowie Lesungen, Diskussionen und Workshops geboten. Movimentos, 2003 gegründet, gilt mittlerweile als eines der großen internationalen Tanzfestivals modernen Tanzes. Die Aufzeichnung der Preisverleihung wird am Donnerstag (14./22.45 Uhr) vom Kultursender Arte ausgestrahlt.

