




Movimentos mit starkem Auftakt
Wolfsburg - Mit einer fröhlichen und zugleich nachdenklich machenden Aufführung der Compagnie Montalvo-Hervieu sind am Donnerstagabend die Internationalen Movimentos Festwochen gestartet.
Die Deutschlandpremiere von «Good Morning, Mr. Gershwin» war sowohl dem Komponisten George Gershwin als auch dem Kampf der Schwarzen um ihre Rechte gewidmet. Mit minutenlangem Applaus würdigte das Publikum in Wolfsburg das für die französische Compagnie typische Zusammenspiel von Tanzkunst und fantasievollen Videosequenzen.
Auf einer gigantischen Leinwand schwimmen die Tänzer auf die Zuschauer zu. Im nächsten Moment sind die auf dem Video riesig erscheinenden Künstler auch auf der Bühne zu sehen. Im Hintergrund steht eine kleine, halb verfallene Hütte. Die Armut der schwarzen Bevölkerung Amerikas in den «Goldenen Zwanzigern» rückt ins Bewusstsein.
Die Augen der Zuschauer haben es nicht leicht: Zwischen Leinwand und Bühne müssen sie wandern und beide Ebenen verbinden. Nach den eingängigen Melodien des Broadway-Komponisten Gershwin, überwiegend aus der Oper «Porgy and Bess», tanzen die Akteure live die selben Sequenzen wie in der Projektion.
Vor strahlend blauem Himmel steht eine Sandburg, auf der sich Tänzer tummeln. Auf der Bühne sprühen die Darsteller vor Lebenslust, Hip Hop und Stepptanz mischen sich. Dann der Bruch - auf der Leinwand bricht die Sandburg zusammen, der Himmel wird dunkler, die Bewegungen der Tänzer langsamer und auch abweisender.
Das Video zeigt politische Bilder - Proteste zur Zeit von Martin Luther King, Rassentrennung, brennende Autos und schließlich Bootpeople auf ihrem teils tödlichen Weg von Afrika ins vermeintlich bessere Europa. Dazwischen ganz persönliche Bilder, ein herzerweichend weinendes Kind oder ein alter, vom Leben gezeichneter Mann.
«Wir glauben, dass wir für den Start des Festivals mit dem Motto "Verantwortung" einen guten Auftakt gewählt haben», sagt Autostadt- Kreativdirektorin Maria Schneider. Die Autostadt wolle nicht nur unterhalten, sie wolle auch zum Nach- und Mitdenken anregen. Die Eröffnung wurde diesem Anspruch zweifelsfrei gerecht.
Beim Zuschauer bleibt trotz der Ernsthaftigkeit des Stückes keine bedrückte Stimmung. Nach dem brausenden Applaus wird es noch einmal ganz still im ausverkauften Heizkraftwerk: Die Tänzer singen ein Lied von der Elfenbeinküste. «Es handelt von einem, der Sorgen hat und von anderen, die ihm Hoffnung geben», erläutert später der künstlerische Leiter des Festivals, Bernd Kauffmann. Seit 1981 sind der Choreograph José Montalvo und die Tänzerin Dominique Hervieu ein Team, 1988 gründeten sie die mehrfach ausgezeichnete Compagnie.
Bis zum 31. Mai stehen rund 80 Veranstaltungen auf dem Programm des Festivals. Neben den Auftritten von sechs international renommierten Tanz-Compagnien werden Klassik-, Jazz- und Popkonzerte sowie szenische Lesungen und Diskussionen geboten.





