WestLB drohen weitere Belastungen | 27.11. 14:02 | ProAktuell.de
06.02.2012 | 16:49 Uhr |
Top News
Anzeige
Vermischtes
In den ersten neun Monaten verbuchte die WestLB unter dem Strich einen Konzerngewinn von 532 Millionen Euro.
27.11.2008 14:02
WestLB drohen weitere Belastungen

Düsseldorf - Durch die Verschärfung der Finanzkrise drohen der WestLB im abschließenden Quartal 2008 weitere Belastungen. Wegen der frühzeitigen Stützung durch die Eigentümer stehe die Bank aber besser da als ihre Wettbewerber.

Das erklärte Vorstandschef Heinz Hilgert am Donnerstag in Düsseldorf anlässlich der Vorlage der Geschäftszahlen für die ersten neun Monate 2008. In einem Gespräch mit der «Börsenzeitung» (Donnerstag) machte er zudem deutlich, dass die Landesbank frisches Eigenkapital benötigt. Der Finanzbedarf werde aber nicht die Größenordnung wie bei BayernLB (rund 10 Mrd. Euro) oder der Landesbank Baden-Württemberg (5,5 Mrd. Euro) annehmen.

In den ersten neuen Monaten hat die WestLB unter dem Strich einen Konzerngewinn von 532 Millionen Euro eingefahren, nach einem Verlust von knapp 150 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Dieses Ergebnis war aber nur durch die milliardenschweren Garantien der Eigentümer möglich geworden. So war in den ersten beiden Quartalen ein Übertragungsgewinn von 962 Millionen Euro durch das Auslagern von riskanten Wertpapieren in Höhe von 23 Milliarden Euro entstanden. Für mögliche Verluste bürgen das Land NRW, Sparkassen- und Kommunalverbände in einer Höhe von 5 Milliarden Euro.

Durch den einsetzenden wirtschaftlichen Abschwung sei im dritten Quartal die Kreditrisikovorsorge auf 345 Millionen Euro erhöht worden. Im Vorjahr wurden hierfür praktisch noch keine Vorkehrungen getroffen. Die Bewertungsverluste unter anderem aus Verbriefungspapiere bezifferte die WestLB von Januar bis Ende September auf 232 Millionen Euro. Im Segment Kapitalmärkte fielen vor allem wegen der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers und dem Engagement mit isländischen Kreditinstituten Verluste von 555 Millionen Euro an.

Die tatsächliche Höhe des Kapitalbedarfs bei der WestLB hängt Hilgert zufolge ab von den Diskussionen, die die Bank mit ihren Eigentümern und dem staatlichen Rettungsfonds (Soffin) führe. Die derzeitigen Gespräche seien noch nicht so intensiv, «dass wir schon Einschätzungen darüber haben, wie viel Garantien der Soffin in unserem Fall bereitstellen würde», sagte der WestLB Chef der «Börsenzeitung». Es gebe Hinweise darauf, dass eine Kernkapitalquote von 8 Prozent das Maß aller Dinge sei. Ende September verzeichnete die WestLB eine Quote von 5,4 Prozent.

Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Konsolidierung der Landesbanken erneuerte Hilgert seine Einschätzung, dass acht Institute einschließlich der Deka-Bank auf Dauer nicht marktfähig seien. «Wir müssen sehr deutlich die Risikoaktiva reduzieren und damit die Kosten». Die wichtigste Voraussetzung dafür, die Konsolidierung der Branche voranzutreiben, sieht Hilgert darin, belastete und geschäftspolitisch nicht zwingend notwendige Aktiva gezielt aus den Bilanzen zu nehmen.

Der WestLB-Chef möchte im Wege einer Funktionalisierung die Geschäfte die Landesbanken zusammenbringen, wobei die heutige WestLB zerschlagen würde. Mit der Deka-Bank führen die Düsseldorfer derzeit Gespräche über eine Fusion der Kapitalmarktgeschäfte. Das Mittelstands- und Verbundgeschäft könnte mit anderen Landesbanken zusammengefasst werden. Bis zum Jahresende peilt Hilgert mit der Deka eine Absichtserklärung über einen Teilbetriebsübergang an.

Einer solchen Lösung will die WestLB aber nur zustimmen, wenn auch für die anderen Teile «standfeste Lösungen» gefunden werden. Dabei zeigte sich Hilgert auch für eine Neuauflage von Fusionsgesprächen mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) offen. Anfang 2008 hatte die Helaba einen Zusammenschluss mit der WestLB noch abgelehnt. Die Spitze der Sparkassenverbände möchte Landesbanken in drei große Blöcke im Norden, in der Mitte und im Süden Deutschlands bündeln.