
Schlangestehen für das neue iPhone
Bonn/Tokio/New York - Beim weltweiten Verkaufsstart der zweiten Generation des iPhone-Handys von Apple haben sich am Freitag wie bei der ersten Generation lange Warteschlangen gebildet.
In Tokio versammelten sich am Freitag rund 1500 Menschen vor dem Geschäft des japanischen Mobilfunk-Partners Softbank, in anderen Ländern wie den USA oder selbst Neuseeland gab es ebenfalls einen Ansturm. Auch aus den Filialen der Deutschen Telekom wurden Warteschlangen und «Rieseninteresse» gemeldet.
«Egal ob Hamburg, München oder Bonn, es ist überall rappelvoll», berichtete eine T-Mobile-Sprecherin in Bonn. Am ersten Tag seien in Deutschland 15 000 Geräte verkauft worden - in zahlreichen Shops waren sie sehr schnell vergriffen. «Wir hoffen jetzt auf zügigen Nachschub.»
Auch in Düsseldorf war der Andrang schnell wieder vorbei: «Ausverkauft», berichtete eine Verkäuferin schon am Vormittag. «Wir hatten allerdings auch nur zwölf Geräte.» Das begrenzte Kontingent ließ manchen Kaufwilligen verärgert von dannen ziehen. Es hätten mehrere tausend Vorbestellungen vorgelegen, hieß es beschwichtigend bei T-Mobile. Von der ersten Generation des iPhone sollen in Deutschland bis Mai rund 100 000 Geräte verkauft worden sein.
Das neue iPhone 3G kam am Freitag in 21 Ländern auf den Markt. Ursprünglich war von 22 Ländern die Rede, aber Frankreich folgt nun erst am 17. Juli. Im Vergleich zu der vor einem Jahr eingeführten ersten Version unterstützt das neue Modell schnellere Datenübertragung über UMTS und GPS-Navigation. Außerdem kann man über eine neue Anbindung an Microsofts E-Mail-Programm Outlook nun ähnlich wie beim BlackBerry E-Mails besser mobil empfangen und verwalten. Damit zielt Apple neben der Zielgruppe der privaten Verbraucher verstärkt auch auf Geschäftskunden.
Von Freitag an kann bei Apple auch ein breites Angebot an Programmen für das iPhone heruntergeladen werden. Es geht dabei zum Beispiel um Spiele und Kommunikations-Software. Die Programme können von Entwicklern im neuen «App Store» auf der iTunes-Plattform von Apple angeboten werden. Etwa ein Viertel der zunächst über 500 Anwendungen soll kostenlos sein.
Mit der Vielfalt an Programmen will Apple das iPhone als mobile Computer-Plattform etablieren. Der Konzern hat sich für dieses Jahr den Absatz von zehn Millionen iPhones vorgenommen und würde damit etwa ein Prozent des weltweiten Mobilfunkmarktes halten. Das iPhone gilt als Flaggschiff für die neue Handy-Generation mit Internet- Anbindung. Dieses Marktsegment wächst rasant und gilt als zukunftsweisend.
Da das iPhone 3G im Gegensatz zum Vorgängermodell von den Mobilfunk-Anbietern subventioniert wird, sanken die Preise für den Kauf des Geräts teilweise radikal. Bei T-Mobile kostet das neue iPhone mit 8 oder 16 Gigabyte Speicher in Verbindung mit einem Zwei- Jahres-Vertrag je nach Tarif zwischen einem und 250 Euro. Das Vorgängermodell schlug noch mit rund 400 Euro zu Buche.
Das erste iPhone von Apple avancierte vor einem Jahr bereits kurz nach Verkaufsstart zum Kultobjekt und wurde trotz einiger bemängelter Schwächen schnell zum Maßstab für die Handy-Industrie. Vor allem die leichte Bedienbarkeit mit dem Finger über das «Multi-Touch»-Display hatten viele Hersteller zu kopieren versucht.
Der Verkaufsstart des iPhone 3G markiert den Anfang einer breiten internationalen Expansion. Zuvor wurde das Apple-Telefon erst in sechs Ländern offiziell angeboten. Am Freitag kam das iPhone 3G neben Japan zum Beispiel in Australien, Hongkong, Spanien, Italien, Schweden oder Mexiko neu auf den Markt. Noch in diesem Jahr soll es in 70 Ländern angeboten werden.
Für die neue Generation gab Apple sein ursprüngliches Geschäftsmodell auf, bei dem der Elektronik-Konzern an den Umsätzen der Mobilfunk-Anbieter mitverdienen wollte. Es scheiterte daran, dass zu viele Nutzer die vorgesehene Bindung an einen Mobilfunk-Partner umgingen. Auch für das Betriebssystem des neuen iPhone soll schon Entsperrungs-Software entwickelt worden sein.

