
Roger Federer: Nur zwei Schritte zum Olymp
Paris - Noch zwei Schritte bis in den Tennis-Himmel, noch zwei Siege bis zum Eintrag mit Goldrand in die Geschichtsbücher. Bisher ist Roger Federer in Paris immer nur Federer, der Unvollendete geblieben. Diesmal könnte es aber klappen.
«Der Weg ist frei für Roger Federer», titelte die französische Sportzeitung «L´Équipe», und selbst die sonst so nüchternen Informationspolitiker der Spielerorganisation ATP schrieben auf ihrer Internetseite: «Zwei Siege noch bis zur Unsterblichkeit». Zum elften Mal schlägt der 27 Jahre alte Schweizer in diesem Jahr bei den French Open auf, zum fünften Mal steht er beim wichtigsten Sandplatz-Turnier der Welt im Halbfinale.
In den vergangenen Jahren stand ihm Rafael Nadal im Weg, doch der viermalige Champion ist nach seinem Achtelfinal-Aus längst wieder auf Mallorca. Und so soll es endlich klappen mit der sehnsüchtig erhofften Trophäe, die Federer nach drei Final-Niederlagen gegen Nadal bislang nur aus der Ferne betrachten durfte.
Der mühsame Zweitrunden-Sieg gegen den Argentinier Jose Acasuso: vergessen; das Beinahe-Aus gegen den Hamburger Thomas Haas: abgehakt. «Ich war nervös vor dem Spiel», gab Federer nach dem 7:6 (8:6), 6:2, 6:4 im Viertelfinale gegen den französischen Publikumsliebling Gael Monfils zu. Nach dem Nadal-Aus war der Druck auf den Weltranglisten- Zweiten enorm gewachsen. Federer hielt ihm stand.
Im Halbfinale wartet der Weltranglisten-Fünfte Juan Martin del Potro. Der fast zwei Meter große Argentinier hat in fünf Versuchen noch nie gegen Federer gewonnen. Zuletzt beherrschte der 13-malige Grand-Slam-Sieger den Grand-Slam-Halbfinal-Debütanten in der Runde der besten vier beim Masters-Turnier in Madrid. «Ich glaube, der liegt mir», sagte Federer über seinen nächsten Gegner.
Denn zwei Tage später will er noch einmal raus auf den Court Philippe Chatrier, will einem weiteren Kontrahenten gegenüberstehen und dann, endlich den Coupe des Mousquetaires in den Himmel über Paris strecken. Die silberne Trophäe des Roland-Garros-Champions ist die einzige Grand-Slam-Krone, die in Federers Reich noch fehlt. 14 Grand-Slam-Titel hat vor ihm nur einer geschafft: der legendäre Pete Sampras. Siege bei allen vier Grand-Slam-Turnieren haben vor ihm nur fünf Spieler geschafft: die unsterblichen Andre Agassi, Donald Budge, Roy Emerson, Rod Laver und Fred Perry.
Vor den Namen der möglichen Endspiel-Gegner müsste Federer dagegen nicht in Ehrfurcht erstarren. Von neun Partien gegen Nadal-Bezwinger Robin Söderling aus Schweden hat Federer neun gewonnen, von 13 gegen den Chilenen Fernando Gonzalez nur eine verloren. «Natürlich ist es jetzt mein Traum, hier zu siegen», sagte Federer. Und auf die Frage eines Journalisten, ob er das Kind, das seine Frau Mirka im Sommer erwartet, dann nicht Roland nennen wolle, sagte er lächelnd: «Ich bin nicht sicher, ob ich das Turnier gewinnen werde, aber ich bin mir sehr sicher, dass wir unser Kind nicht Roland nennen werden.»

