ARD zeigt «Menschen in der Psychiatrie» | 29.06. 18:50 | ProAktuell.de
07.02.2012 | 22:18 Uhr |
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29.06.2009 18:50
ARD zeigt «Menschen in der Psychiatrie»

Hamburg - Sie sind manisch-depressiv, leiden am Borderline- Syndrom, werden gequält von Zwangsneurosen, Essstörungen und Depressionen - Menschen in der Psychiatrie. «Zwischen Wahn und Wirklichkeit» heißt eine Dokumentation des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR), die am Dienstag um 22.45 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird.

Viktor Grandits, der schon viele «37-Grad»-Reportagen für das ZDF gedreht hat, und Alexia Berkowicz haben über mehrere Monate Patienten in der Psychiatrischen Universitätsklinik der Berliner Charité begleitet. Entstanden ist ein 74 Minuten langer Film, der nichts aus der Distanz erklärt, sondern ausschließlich Betroffene sprechen lässt.

Das ist zum Beispiel Lydia aus Sachsen. Weil ihr Freund Maschinenbau studierte, studierte sie auch Maschinenbau. Doch als die Beziehung in die Brüche ging, wuchs ihr alles über den Kopf. Sie kam im Studium nicht mehr mit und schlief kaum noch. Wahnvorstellungen quälten sie, ihr Verhalten ängstigte ihre Familie. Nach der Zwangseinweisung ins St.-Hedwig-Krankenhaus wurde eine manisch- depressive Störung diagnostiziert. Sie lernte mit ihrer Krankheit umzugehen und sich als gewöhnliches außergewöhnliches Wesen anzunehmen.

Maria fand erst in der Psychiatrie den Mut, als Frau zu leben. Als Heribert in den 50er Jahren geboren, musste sie ihre transsexuelle Neigung jahrelang wegsperren. Sie war dreimal verheiratet und hat vier Kinder. Ihre Sehnsucht nach einem anderen Leben ertränkte sie in Alkohol, versuchte sich das Leben zu nehmen. In der Psychiatrie fand sie die Kraft, ihre Gefühle zuzulassen.

Martin leidet an Zwangsneurosen, er zählt jeden Schritt und kommt an keinem Laternenpfahl vorbei, ohne dagegenzuklopfen. Er hat sich selbst eingewiesen. Indu ist Stammgast in der Psychiatrie. Seit ihrem 14. Lebensjahr war sie 27 Mal in Kliniken in ganz Deutschland. Sie leidet an Essstörungen und Depressionen, hat den Drang, sich selbst zu verletzten und sogar umzubringen. Die intelligente junge Frau kann ganz klar ihre Probleme benennen, aber eine Chance auf Heilung sieht sie nicht.

Der Film räumt mit Vorurteilen über den Alltag in der Psychiatrie auf. Geschlossen wird die Station St. Cäcilia nur auf Verlangen. Es laufen keine schreienden Menschen in Zwangsjacken über die Krankenhausflure. Menschen erzählen über Auslöser für ihre Krisen, und dem Zuschauer wird klar, wie schnell es jeden treffen kann. Statistisch gesehen hat fast jeder Zweite mindestens einmal in seinem Leben eine relevante psychische Störung, heißt es dazu in der Programmvorschau des SWR.